Neu auf der Jugenheimer Homepage - Der jüdische Bezirksfriedhof in Jugenheim/Rheinhessen

Von li. nach re.: Ortsbürgermeister Herbert Petri, Dr. Wolfgang Hoppe, Dr. Anke Joisten-Pruschke, Wolfhard Klein

Im November 2019 wurde die Öffentlichkeit in einer Veranstaltung der rheinhessischen Ortsgemeinde Jugenheim über die ersten Ergebnisse einer systematischen Bestandsaufnahme und Dokumentation der Grablegungen auf dem jüdischen Bezirksfriedhof von Jugenheim/Rheinhessen informiert.

Mittlerweile wurde die Bestandsaufnahme der Befunde (Grabstellen, Bodenartefakte) abgeschlossen. Begleitend zur Kartographie der Grabstellen steht ab sofort ein Webportal zur Verfügung, das das Thema ‚Jüdischer Bezirksfriedhof‘ um die genealogische Perspektive auf die jüdischen Gemeinschaften in der Region erweitert. Zur Erklärung: die Genealogie ist ein Forschungsgebiet, das sich unter anderem mit der Herkunft und den Verwandtschaftsverhältnissen befasst.

Ausgehend von den heute noch auffindbaren 210 Grabstellen wurde eine genealogische Datenbank mit den Stammtafeln der jüdischen Familien aus Jugenheim, Essenheim, Nieder-Saulheim, Partenheim, Stadecken und Vendersheim erstellt. Zunächst ging man von den Verstorbenen aus, deren Namen aus den deutschen Grabinschriften heraus eindeutig ablesbar sind. Ihnen wurde im nächsten Schritt das unmittelbare verwandtschaftliche Umfeld (Eltern, Ehepartner, Kinder) zugeordnet. Für die Erstellung der Familienstammtafeln konnte dabei auf die Archive der Verbandsgemeinden Nieder-Olm und Wörrstadt zurückgegriffen werden, deren Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden eine fundierte Datenbasis darstellen.

Der Webauftritt www.jugenheim-rheinhessen.de/juedischer-friedhof bietet damit allen Interessierten die Möglichkeit, sich detailliert über die jüdischen Familien, ihre verwandtschaftlichen Beziehungen, wichtige Lebensdaten und die Daten der Grablegung (Grabstein, genaue Lage im Friedhofsareal) zu informieren.

Er richtet sich insbesondere an den Kreis von Heimatforscherinnen und Heimatforschern, die sich mit der Rekonstruktion des jüdischen Lebens in unserer Region befassen. Die in mehreren Sprachen (deutsch, französisch, englisch) gehaltene Plattform unterstützt zudem Nachkommen jüdischer Mitbürger bei ihrer Suche nach historischen Spuren ihrer Vorfahren.

Bedingt durch die Corona-Pandemie konnte die Recherche in den Archiven noch nicht abgeschlossen werden. Außerdem sind die Inschriften von 88 Grabsteinen ausschließlich in hebräischer Sprache verfasst. Deren Übersetzungen wie auch die Ergebnisse der Archivrecherchen lassen weitere Hinweise auf jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger erwarten, die auf dem Friedhof ihre letzte Ruhe fanden.

Die genealogische Datenbank ist Teil eines Projektes, das sich mit der wissenschaftlichen Erschließung des jüdischen Friedhofs in Jugenheim befasst. An ihm sind Dr. Anke Joisten-Pruschke (JGU Mainz), Dr. Wolfgang Hoppe (Jugenheim) und Wolfhard Klein (Jugenheim) beteiligt.

Ortsbürgermeister Herbert Petri hofft gemeinsam mit den Projektbeteiligten, dass diese Informationsplattform allen Besucherinnen und Besuchern interessante Einblicke und neue Erkenntnisse zur Regionalgeschichte vermitteln wird.

Herbert Petri
Ortsbürgermeister