Einladung zu dem Vortrag Jüdisches Leben in der Region von Wolfhard Klein

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

wir freuen uns, Sie zu dem Vortrag von Wolfhard Klein zu Jüdischem Leben in der Region am Freitag, 22. Oktober 2021, 19 Uhr im Franz-Josef-Helferich-Haus, einladen zu können. Der Vortrag wird unter anderem auch ein Schlaglicht auf den Jüdischen Friedhof in Jugenheim werfen.

Landjuden jedoch sind das Hauptthema des Vortrags von Wolfhard Klein. Untersucht wurde das jüdische Leben in Essenheim, Jugenheim, Saulheim, Partenheim, Stadecken und Vendersheim. Vorgestellt wird das einzige in der Region existierende Verzeichnis jüdischer Namensänderungen aus dem Jahr 1808. Thema sind die Synagogen, die es in allen Orten gab. Einige sind nicht vollständig verschwunden. Wolfhard Klein zeigt Baupläne, Gebäudeteile und einen noch existierenden farbigen Davidstern in einem Terrazzoboden einer ehemaligen Synagoge. Klein wird über die Organisation jüdischen Lebens berichten, über Synagogensatzungen, Vorstandswahlen der Gemeinden und die Herkunft jüdischer Lehrer und Vorbeter, über das Mit- und Gegeneinander von Juden und Christen, über Geschäftsbeziehungen und Berufe, auch Handwerksberufe von Juden.

Der jüdische Bezirksfriedhof in Jugenheim ist ein besonders wertvolles kulturelles Erbe der Ortsgemeinde Jugenheim. Als Friedhof für die gesamte Region angelegt, zeigt er eindrucksvoll die Verwurzelung jüdischen Lebens in der Region und die herausgehobene Bedeutung des Ortes innerhalb der jüdischen Gemeinden Rheinhessens.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde seitens der Gemeindeverwaltung das Erbe ,,Jüdischer Friedhof“ am südlichen Ortsrand erhalten und gepflegt. So hat sich auf dem gut 3200 qm großen Gelände ein blühendes Biotop entwickelt, ohne dass der sakrale Charakter verloren ging.

Wolfhard Klein hat in seiner Arbeit für die Dorfchronik die bereits in den 80er Jahren begonnene Spurensuche über Zeugnisse jüdischen Glaubens wieder aufgenommen. Die Geschichte der im Dorf lebenden Familien hat er systematisch aufgearbeitet. Diese Recherchen sind sowohl in der Dorfchronik als auch in seinem 2019 erschienen Buch ,,Juden in Jugenheim“ eindrucksvoll zusammengefasst.

Von 2018 an zudem Dr. Wolfgang Hoppe eine Kartographie der Grabstellen auf dem jüdischen Friedhof erstellt. Darauf aufbauend hat sich Frau Dr. Joisten-Pruschke der wissenschaftlichen Erschließung und der Übersetzung der Inschriften von 88 Grabsteinen von insgesamt 210 erhaltenen Grabstellen gewidmet. Diese Zusammenarbeit bietet nun allen Interessierten die Möglichkeit, sich detailliert über jüdische Familien zu informieren. Alle Informationen können auch über die Website der Ortsgemeinde Jugenheim, die von Dr. Wolfgang Hoppe entwickelt wurde, abgerufen werden.

,,It is rewarding for us to see that the Jewish Cemetery is in good hands and nicely taken care of by a neighboring population, that continues to respect.“ – Mit diesen Worten bedankt sich Ellen V. Glass, geb. Vogel, aus Chicago, nachdem sie das Grab Ihrer Familie, die bis 1933 in Saulheim lebte, im Jahr 2013 besuchte. Sie war im Alter von acht Jahren dabei, als ihre Großmutter in Jugenheim beerdigt wurde.

Unser Dank gilt Frau Dr. Joisten-Pruschke, Wolfhard Klein und Dr. Wolfgang Hoppe für ihre ehrenamtliche Aufklärungsarbeit zur jüdischen Geschichte Jugenheims und freuen uns auf eine interessierte Zuhörerschaft bei dem Vortrag von Wolfhard Klein am 22. Oktober 2021.

Wir bitten um Anmeldung über Frau Tanja Schäfer: schaefer.tanja(at)mainz-bingen.de oder telefonisch: 06132-787 7104.

Herbert Petri
Ortsbürgermeister