11. Jugenheimer Adventskalender-Türchen - Alte Sitten: Der Nachtwächter in Jugenheim

Foto: Margot Maslowski

Im vorigen Jahrhundert ging von abends 10 Uhr bis morgens 3 Uhr der Nachtwächter durchs Dorf. Mit seinem Horn verkündete er die Nachtstunden und marschierte mit seinem Öllämpchen durch die stockdunklen Gassen. Pflichtgemäß meldete er morgens dem Bürgermeister, wenn sich etwas außergewöhnliches zutrug.

Der letzte Nachtwächter war Kaspar Löb. Seine Frau Margarete hatte außer dem Geläute auch die Gemeindebockhaltung und war Gänsehirtin. Im Herbst, wenn die Ernte vorbei war, ging sie durch die Straßen und rief: ,,Gäns heraus, Gäns heraus!“ Aus allen Toren liefen die Gänse. Mit einem langen Stock trieb sie die Gänse auf die Stoppelfelder. Gegen Abend wurde das Federvieh wieder nach Hause getrieben, wo alle Gänse wieder in ihren Stall fanden.

Als Lohn für ihre Arbeit bekam die Frau von den Gänsehaltern Naturalien in Form von einem Stück Fleisch, Wurst oder Käse, manchmal auch ein Trinkgeld.

Aus dem Album des Schuljahrgangs im September 1962